Immer mehr Reisende suchen nicht das perfekte Strandfoto, sondern Orte, an denen Geschichte wehtut: Gedenkstätten, Katastrophenzonen, ehemalige Gefängnisse, verlassene Kliniken. Dieses Reisen zu Orten des Leidens und des Todes hat einen Namen – Dark Tourism.
Dark Tourism – auf Deutsch auch Katastrophentourismus, Schwarzer Tourismus oder Thanatourismus – bezeichnet Reisen zu Orten, die mit Tod, Leiden, Gewalt oder Katastrophen verbunden sind. Dazu zählen Gedenkstätten wie Auschwitz-Birkenau, Sperrzonen wie Tschernobyl, ehemalige Haftanstalten wie Alcatraz – und am leichteren Ende des Spektrums Lost Places und Spukorte. Hier erfährst du, woher der Begriff kommt, welche Formen es gibt, welche Orte weltweit dazugehören und worauf du vor Ort achten solltest.
Was ist Dark Tourism?
Dark Tourism ist der Besuch von Orten, die mit Tod, Tragödie oder dem Makabren in Verbindung gebracht werden. Es ist ein Phänomen, das unsere angeborene menschliche Neugier auf die dunklen Seiten der Geschichte und der Kultur nutzt. Diese Ziele reichen von ehemaligen Gefängnissen und Schlachtfeldern über Gedenkstätten und Katastrophenzonen bis hin zu verlassenen Kliniken und ganz einfachen Spukorten.
Im Deutschen kursieren mehrere Begriffe für dasselbe Phänomen, und sie sind nicht ganz deckungsgleich:
- Dark Tourism ist der internationale Sammelbegriff und wird auch im Deutschen am häufigsten benutzt.
- Katastrophentourismus meint enger das Reisen an Orte von Unglücken, Naturkatastrophen und Verbrechen – oft mit einem kritischen Unterton, weil damit auch Schaulust gemeint ist.
- Schwarzer Tourismus und dunkler Tourismus sind direkte Übersetzungen und werden synonym verwendet.
- Thanatourismus ist der wissenschaftliche Begriff, abgeleitet von Thanatos, der griechischen Personifikation des Todes.
Wichtig ist die Unterscheidung nach dem Zweck des Besuchs. Eine Gedenkstätte ist ein Ort des Erinnerns, der bewusst zugänglich gemacht wurde, damit Menschen etwas verstehen. Ein Lost Place ist ein verlassenes Gebäude, das vor allem durch seine Atmosphäre wirkt. Beides fällt unter Dark Tourism, verlangt aber ein völlig unterschiedliches Verhalten vor Ort.
Welche Formen von Dark Tourism gibt es?
Dark Tourism ist keine einzelne Reiseart, sondern ein Spektrum. Diese Formen werden in der Tourismusforschung am häufigsten unterschieden:
- Gedenkstättentourismus: Besuche von Gedenkstätten des Holocaust und anderer Genozide, etwa Auschwitz-Birkenau, Buchenwald oder Murambi in Ruanda. Der Zweck ist das Erinnern und die politische Bildung.
- Kriegs- und Schlachtfeldtourismus: Reisen zu Schlachtfeldern, Bunkern und Frontverläufen – von den Feldern von Verdun und der Somme bis zur demilitarisierten Zone in Korea.
- Katastrophentourismus: Orte von Nuklearunfällen, Erdbeben, Tsunamis oder Industrieunglücken, etwa Tschernobyl oder Fukushima.
- Gefängnis- und Justiztourismus: Ehemalige Haftanstalten und Straflager, die heute Museen sind, wie Alcatraz oder die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.
- Friedhofs- und Grabtourismus: Berühmte Nekropolen wie der Père-Lachaise in Paris oder der Cimitero Monumentale in Mailand, oft mit kunsthistorischem Interesse verbunden.
- Lost Places und Spukorte: Verlassene Kliniken, Fabriken und Hotels sowie Orte mit Geistergeschichten. Das ist das leichteste Ende des Spektrums – und meistens das, wonach Menschen suchen, wenn sie „gruselige Orte“ googeln.
Ursprünge des Dark Tourism
Das Konzept des dunklen Tourismus hat tiefe historische Wurzeln. Pilgerfahrten zu Stätten des religiösen Martyriums, wie dem Kolosseum in Rom, können als frühe Formen des dunklen Tourismus angesehen werden. Auch die Ausgrabungen von Pompeji wurden schon im 18. Jahrhundert zum Ziel wohlhabender Bildungsreisender, und öffentliche Hinrichtungen waren über Jahrhunderte Publikumsereignisse. In der Neuzeit hat die Popularität von Orten wie dem Tower of London, der für seine düstere Geschichte von Gefangenschaft und Hinrichtung bekannt ist, diese Faszination weiter angeheizt.
Als Forschungsfeld ist Dark Tourism jung. Den Begriff prägten die schottischen Tourismuswissenschaftler John Lennon und Malcolm Foley in den 1990er-Jahren, und seither beschäftigen sich Universitäten, Gedenkstätten und die politische Bildung intensiv mit der Frage, warum Orte vergangener Gewalt so anziehend wirken – und wie man sie verantwortungsvoll zugänglich macht.
Die Netflix-Serie „Dark Tourist“
Bekannt geworden ist der Begriff bei einem breiten Publikum vor allem durch die Populärkultur. Die Netflix-Serie mit dem treffenden Namen Dark Tourist bietet eine voyeuristische Reise zu einigen der faszinierendsten und beunruhigendsten Reiseziele der Welt. Der neuseeländische Journalist David Farrier führt die Zuschauer durch Episoden, die den unerwarteten Reiz von Orten voller Dunkelheit erkunden – von Atomtestgeländen über Vulkane bis zu Ritualen, die westlichen Zuschauern fremd sind.
Die Serie ist bis heute der häufigste Einstieg in das Thema, wird aber auch kritisiert: Sie erzählt Dark Tourism als Nervenkitzel und weniger als Auseinandersetzung mit dem, was an diesen Orten passiert ist. Wer tiefer einsteigen will, findet bei Gedenkstätten und in der politischen Bildung deutlich sorgfältigere Darstellungen.
Dark-Tourism-Beispiele: 10 bekannte Orte weltweit
Wenn von Dark Tourism die Rede ist, sind meistens diese Orte gemeint. Sie stehen für die ganze Bandbreite – von der Gedenkstätte über die Katastrophenzone bis zur Ruinenstadt.
| Ort | Land | Warum er zum Dark Tourism zählt |
|---|---|---|
| Auschwitz-Birkenau | Polen | Gedenkstätte und Museum am Ort des größten nationalsozialistischen Vernichtungslagers |
| Tschernobyl und Prypjat | Ukraine | Sperrzone rund um den 1986 havarierten Reaktor, mit der evakuierten Stadt Prypjat |
| Hiroshima Peace Memorial | Japan | Ruine und Mahnmal für den Atombombenabwurf von 1945 |
| Choeung Ek, die „Killing Fields“ | Kambodscha | Massengräber und Gedenkstätte für die Opfer der Roten Khmer |
| 9/11 Memorial und Museum | USA | Gedenkort am früheren Standort des World Trade Center in New York |
| Alcatraz | USA | Ehemaliges Hochsicherheitsgefängnis auf einer Insel in der Bucht von San Francisco |
| Pompeji | Italien | Von einem Vesuvausbruch verschüttete Römerstadt, konserviert im Moment der Katastrophe |
| Murambi Genocide Memorial | Ruanda | Gedenkstätte für den Genozid von 1994, an einem der Tatorte selbst |
| Fukushima | Japan | Region der Reaktorkatastrophe von 2011, teilweise wieder zugänglich |
| Moynaq am Aralsee | Usbekistan | Schiffsfriedhof einer Hafenstadt, deren Meer verschwunden ist |
Bei Sperrzonen und Katastrophenregionen ändert sich die Lage schnell: Ob und in welcher Form Tschernobyl oder einzelne Gemeinden in Fukushima aktuell besucht werden können, hängt von der Situation vor Ort ab. Prüfe das immer kurz vor der Buchung auf den offiziellen Seiten und in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts.
Dark Tourism in Deutschland
Deutschland ist eines der wichtigsten Ziele für Dark Tourism überhaupt – nur nennt es hier kaum jemand so. Die Gedenkstätten der nationalsozialistischen Konzentrationslager in Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme empfangen jedes Jahr sehr viele Besucher, ebenso die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im früheren Stasi-Untersuchungsgefängnis. Diese Orte verstehen sich als Bildungsorte, nicht als Sehenswürdigkeiten, und die meisten bieten Führungen an, für die sich eine Anmeldung lohnt.
Daneben gibt es die deutlich leichtere Variante: verlassene Kliniken, aufgegebene Militärstädte und Orte mit Geistergeschichten. Wenn du in diese Richtung suchst, findest du die konkreten Ziele mit Eintritt, Zugang und Führungen in unserem Guide zu den gruseligsten Orten Deutschlands. Für die Berliner Erinnerungsorte lässt sich ein Besuch gut in ein Wochenende in Berlin einbauen.
Die Top 7 der geisterhaftesten Orte der Welt für den Dark Tourism
Nicht jeder Dark-Tourism-Ort ist eine Gedenkstätte. Am leichteren Ende des Spektrums stehen Spukorte: Festungen, Schlösser und verlassene Gebäude, die vor allem von Legenden und Atmosphäre leben. Diese sieben gehören zu den bekanntesten weltweit.
1. Bhangarh Fort, Indien
Ort: Rajasthan, Indien

Wir beginnen unsere Reise im indischen Rajasthan, wo sich das berüchtigte Bhangarh Fort befindet. Die Legende besagt, dass der Fluch eines Zauberers diese einst blühende Stadt in eine Geisterstadt verwandelt hat. Besucher berichten von geisterhaftem Geflüster, und einige behaupten sogar, Erscheinungen gesehen zu haben. Die Anlage ist bei Tageslicht zugänglich; der Aufenthalt zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ist offiziell untersagt – prüfe die aktuellen Regeln der zuständigen Denkmalbehörde vor deinem Besuch.
2. Isla de las Muñecas (Puppeninsel), Mexiko
Ort: Xochimilco, Mexiko

Unser zweiter Hotspot liegt in den Kanälen von Xochimilco im Süden von Mexiko-Stadt. Auf der Insel der Puppen schmückt eine Sammlung alter, verwitterter Puppen die Bäume und Gebäude – ursprünglich als Tribut an ein ertrunkenes Mädchen. Einheimische und Touristen bringen bis heute weitere Puppen mit, was die unheimliche Atmosphäre Jahr für Jahr verstärkt. Erreichbar ist die Insel mit einer Trajinera, den bunten Holzbooten von Xochimilco.
3. Das Castle of Good Hope, Südafrika
Ort: Kapstadt, Südafrika

Der dritte Platz auf unserer Liste liegt im Herzen von Kapstadt: das Castle of Good Hope, eine Sternfestung aus der Zeit der niederländischen Kolonialherrschaft und das älteste erhaltene Kolonialgebäude Südafrikas. Es beherbergt Gerüchten zufolge einen Geist namens „The Lady in Grey“, die Frau in Grau. Sie soll Möbel umstellen und Besuchern Streiche spielen. Heute ist die Festung ein Museum mit Führungen – der historische Teil ist dabei mindestens so interessant wie der Spuk.
4. Lawang Sewu (Thousand Doors), Indonesien
Ort: Semarang, Indonesien
Indonesien hat sein eigenes geisterhaftes Juwel – das Lawang Sewu. Dieses Gebäude aus der niederländischen Kolonialzeit war einst die Verwaltungszentrale einer Eisenbahngesellschaft und ist berühmt für seine vielen Türen, die ihm den Namen „Thousand Doors“, tausend Türen, eingebracht haben. Die Einheimischen sagen, es werde von Gespenstern aus der dunklen Vergangenheit des Gebäudes heimgesucht, unter anderem aus der Zeit der japanischen Besatzung. Heute ist es restauriert und als Museum zugänglich.
5. Altes Changi Krankenhaus, Singapur
Ort: Changi Village, Singapur
Im Osten von Singapur liegt das Old Changi Hospital, ein Ort voller Geschichte und Geistergeschichten. Das Gebäude diente im Zweiten Weltkrieg unter japanischer Besatzung als Lazarett und Gefangenenlager. Heute steht es leer und gilt als einer der bekanntesten Spukorte Südostasiens. Wichtig: Das Gelände ist kein offenes Ausflugsziel – das Betreten ist ohne Genehmigung nicht erlaubt. Wer den Ort sehen will, sollte sich vorher über den aktuellen Status und legale Zugangsmöglichkeiten informieren.
6. Château de Brissac, Frankreich
Ort: Maine-et-Loire, Frankreich

Im Loiretal finden wir das Château de Brissac, mit sieben Stockwerken das höchste Schloss Frankreichs. Die Geschichte besagt, dass „La Dame Verte“, die grüne Dame, seit dem 15. Jahrhundert durch die Räume geht – eine Adlige, die von ihrem Mann getötet worden sein soll. Das Schloss ist bewohnt und wird für Führungen geöffnet; Öffnungszeiten und Saison stehen auf der offiziellen Seite.
7. Mary King's Close, Schottland
Ort: Edinburgh, Schottland

Unter den gepflasterten Straßen von Edinburgh verbirgt sich ein schauriges Geheimnis – Mary King's Close. Diese unterirdische Gasse, benannt nach einer Kaufmannswitwe aus dem 17. Jahrhundert, soll von den ruhelosen Geistern von Pestopfern heimgesucht werden. Besucher berichten von Erscheinungen und unheimlichem Geflüster, das durch die engen Gänge hallt. Die Gassen sind heute eine geführte Attraktion mitten in der Altstadt und lassen sich gut mit einem Städtetrip verbinden.
Dark Tourism verantwortungsvoll: Worauf du achten solltest
Dark Tourism steht regelmäßig in der Kritik, und meistens nicht wegen der Orte, sondern wegen des Verhaltens der Besucher. Lächelnde Selfies vor Gedenkstätten und Drohnenflüge über Sperrzonen sind der Grund, warum viele Einrichtungen ihre Regeln verschärft haben. Diese Punkte machen den Unterschied:
- Ort einordnen, bevor du fotografierst. An einer Gedenkstätte bist du an einem Tatort und oft an einem Grab. Fotos sind dort meistens erlaubt, Posen und Selfies sind es nicht.
- Hausordnung und Führungen ernst nehmen. Große Gedenkstätten haben klare Regeln zu Kleidung, Lautstärke, Drohnen und Gruppen. Eine geführte Tour ist fast immer die bessere Erfahrung, weil du den Kontext mitbekommst.
- Lost Places sind meistens Privatbesitz. Verlassen heißt nicht herrenlos. Wer ohne Erlaubnis hineingeht, begeht Hausfriedensbruch – und bewegt sich in einstürzenden Gebäuden mit Asbest und offenen Schächten.
- Vorher informieren. Lies die Geschichte des Ortes, bevor du hinfährst. Das ist der Unterschied zwischen einem Besuch und einer Gruselattraktion.
- Lokale Guides und offizielle Anbieter buchen. Sie kennen die rechtliche Lage, die Sicherheitsauflagen und die Geschichte – und das Geld bleibt in der Region.
Verschenke eine Reise mit einem Fluggutschein
Wenn du jemanden kennst, der sich für Geschichte, Gedenkorte und Lost Places begeistert, ist eine Reise das passende Geschenk – nur weiß niemand außer der beschenkten Person, welches Ziel gerade oben auf der Liste steht. Mit einem Fluggutschein von Flightgift schenkst du den Flug und lässt die Wahl offen. Dazu kommen:
- Personalisierte Gutscheine: Erstelle eine Nachricht, die dem Geschenk eine persönliche Note verleiht.
- Flexible Lieferoptionen: Wähle zwischen einem eGift für Überraschungen in letzter Minute oder einem gedruckten Gutschein auf hochwertigem Fotopapier, der als Andenken bleibt.
- Freie Zielwahl: Unsere Airline-Gutscheine sind nicht auf düstere Orte beschränkt. Von Asien über europäische Favoriten wie Lissabon bis zu einem Kurztrip nach New York ist alles möglich.
Ob es die schaurigen Tiefen von Mary King's Close in Schottland, die Erinnerungsorte in Berlin oder das Bhangarh Fort in Indien sind: Mit einem Flightgift-Geschenkgutschein liegt das nächste Ziel bei der Person, die reist. Alle Optionen findest du in unserer Übersicht.
Häufig gestellte Fragen zu Dark Tourism
Was versteht man unter Dark Tourism?
Dark Tourism bezeichnet Reisen zu Orten, die mit Tod, Leiden, Gewalt oder Katastrophen verbunden sind. Dazu gehören Gedenkstätten, Schlachtfelder, ehemalige Gefängnisse, Katastrophenzonen, Friedhöfe sowie verlassene Gebäude und Spukorte. Der Begriff wurde in den 1990er-Jahren in der Tourismusforschung geprägt und beschreibt heute ein breites Spektrum vom Bildungsbesuch bis zum Gruselausflug.
Was ist Schwarzer Tourismus?
Schwarzer Tourismus ist die deutsche Übersetzung von Dark Tourism und meint dasselbe. Gebräuchlich sind außerdem dunkler Tourismus, Katastrophentourismus und der wissenschaftliche Begriff Thanatourismus. Katastrophentourismus wird dabei meist enger und kritischer verwendet: Er betont die Schaulust an Orten von Unglücken und Verbrechen.
Was sind Beispiele für Dark Tourism?
Zu den bekanntesten Beispielen zählen die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen, die Sperrzone um Tschernobyl in der Ukraine, das Hiroshima Peace Memorial in Japan, die Killing Fields von Choeung Ek in Kambodscha, das 9/11 Memorial in New York, das Inselgefängnis Alcatraz, die verschüttete Römerstadt Pompeji und die Genozid-Gedenkstätte Murambi in Ruanda. Am leichteren Ende stehen Spukorte wie das Bhangarh Fort in Indien oder Mary King's Close in Edinburgh.
Gibt es Dark Tourism in Deutschland?
Ja, und Deutschland ist eines der wichtigsten Ziele überhaupt. Die Gedenkstätten der nationalsozialistischen Konzentrationslager in Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme, die Gedenkstätte Berliner Mauer und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im früheren Stasi-Untersuchungsgefängnis gehören dazu. Dazu kommen zahlreiche Lost Places wie die Beelitz-Heilstätten in Brandenburg.
Was ist der Unterschied zwischen Dark Tourism und Lost Places?
Lost Places sind verlassene Gebäude und Anlagen – Kliniken, Fabriken, Militärstädte, Hotels. Sie sind eine Unterkategorie des Dark Tourism, aber nicht dasselbe: Dark Tourism umfasst auch Orte, die aktiv betrieben und gepflegt werden, etwa Gedenkstätten und Museen. Umgekehrt hat nicht jeder Lost Place eine tragische Geschichte; viele sind einfach aufgegeben worden.
Worum geht es in der Netflix-Serie „Dark Tourist“?
In der Serie reist der neuseeländische Journalist David Farrier zu Orten, die als ungewöhnliche oder verstörende Reiseziele gelten – von Atomtestgeländen und Katastrophenzonen bis zu Ritualen und Attraktionen, die im Westen kaum bekannt sind. Sie ist der bekannteste Einstieg in das Thema, erzählt es aber stark als Nervenkitzel; für die historische Tiefe sind Gedenkstätten und Angebote der politischen Bildung die besseren Quellen.
Ist Dark Tourism ethisch vertretbar?
Das hängt vom Ort und vom Verhalten ab. Gedenkstätten sind bewusst zugänglich, weil Erinnerung und politische Bildung ihr Auftrag sind – ein Besuch ist dort ausdrücklich erwünscht. Kritisch wird es, wenn Orte des Leidens als Kulisse benutzt werden, wenn Betroffene und Angehörige nicht einbezogen sind oder wenn Anbieter mit dem Schauwert Geld verdienen, ohne der Region etwas zurückzugeben. Wer sich vorher informiert, offizielle Führungen bucht und die Regeln vor Ort einhält, ist auf der sicheren Seite.

